Standort St. Stephanus, Flamersheim

Die Kirche steht auf dem Marktplatz.

St. Stephanus Auffindung, Flamersheim

Die Kirche ist dem heiligen Stephanus geweiht. Das Patrozinium wird am 3. August gefeiert, dem Fest der Auffindung der Gebeine. Dieser Gedanktag an den Erzmärtyrer geht darauf zurück, daß der Priester Lucian im Jahr 415 zu Kaphargamala bei Jerusalem die Reliquien des hl. Stephanus "auffand". Verbunden wird mit der Feier des Patronatsfestes die Dorfkirmes.

Aus der Geschichte der Flamersheimer Kirche

1058
"An der Südostkante ist auf einem sehr zerfressenen rothen Sandsteine muthmaßlich zu lesen. MLVIII" so schreibt Katzfey in "Geschichte der Stadt Münstereifel und den nachbarlichen Ortschaften (1854)". Polaczek wiederholt in "Die Kunstdenkmäler des Kreises Rheinbach (1898) diese Jahreszahl mit dem Vermerk, daß diese Angabe auf die Aussage des Küsters zurückgeht.
Bei den Renvierungsarbeiten 1978/81 ist der Stein mit der Jahreszahl nicht gefunden worden. Der Beweis für die Richtigkeit des Baujahres kann also hier nicht gesucht werden. Daß die Datierung jedoch stimmt, läßt sich aus der Geschichte von Flamersheim, die auch die Geschichte der Pfarrei ist, herleiten.
Im 9. Jahrhundert zerstörten die Normannen das fränkische Hofgut "regio villa nomine Flameresheim", das um die Hockeburg in der Nähe vom jetzigen Kirchheim gelegen hat. Nach der Zerstörung dieser fränkischen Villa verlegten die Pfalzgrafen, die bisher von dort ihr Land regierten, ihren Sitz auf die Tomburg. Flamersheim wurde zum Hauptort des Bezirkes gemacht. Mitte des 11. Jahrhunderts schenkte Erzbischof Hermann II., ein Sohn des Pfalzgrafen Ezzo, das Castrum Flamersheim mit Zubehör der Kölner Kirche, wie aus der Bestätigungsurkunde von Papst Leo IX. von 1052 hervorgeht. Erzbischof Anno II., Nachfolger Hermann II. auf dem Bischofssitz in Köln, übertrug 1059 Flamersheim dem Kölner Mariagradenstift.  Diesem Kölner Stift stand nun das Recht zu, die Flamersheimer Pfarrer zu ernennen, obschon die Pfarre noch zum Pfarrverband Hockebur gehörte. Durch eine Zuwendung von 54 Morgen Land verzichtete der Pfarrer von Hockeburg auf den Zehnten von Flamersheim. Damit wird der Pfarre die Selbständigkeit gegeben.
Daß um diese Zeit in Flamersheim ein Kirchbau entstanden sein dürfte, steht außer Zweifel, denn die Stiftsherren von Köln hielten sich abwechselnd in Flamersheim auf und besorgten hier die Seelsorge; sie nannten sich "Graf von Tomburg". Als Baumaterial für den Bau der Kirche bot der Römerkanal ein reichhaltiges Lager. Er führte aus der Eifel kommend über Kreuzweingarten, Stotzheim an Flamersheim vorbei nach Palmersheim in Richtung Rheinbach. Beim dem Bau der Kirche in Niederkastenholz (um 1100) und der alten Kirche in Odendorf (12. Jahrhundert) ist ebenfalls Material vom Römerkanal verwendet worden.
Die Flamersheimer Kirche wurde als dreischiffige Basilika mit Ostchor und Apsis im romanischen Stil erbaut.

um 1400
Die Kirche, die bisher nur einen Dachreiter besitzt, erhält um 1400 einen Glockenturm. Der Turm wird in die Kirche eingebaut, denn vor der Kirche stehen noch Gebäude. Durch diesen "Einbau" erhält der Turm seinen rechteckigen Grundriß. Eine Bestätigung für das Baujahr kann auch darin gefunden werden, daß die Kirche bereits 1397 eine Glocke besaß, die wegen einer Beschädigung beim Glockenguß von 1751 mit eingegossen worden sein soll. Die Palmersheimer Kirche ist im Besitz einer Glocke aus dem Jahre 1397 sowie die Burg Ringsheim (sie hängt im rechten Turm der Burg und stammt aus der ehemaligen Dorfkirche Johann Baptist in Ringsheim). Beide Glocken tragen die Gießmarke "H.v.Gerresheim". Ringsheim und Palmersheim gehörten zu dieser Zeit zur Pfarre Flamersheim. - Vielleicht hat die Pfarre 1397 drei Glocken in Auftrag gegeben.

1428
Die Marienglocke trägt folgende Umschrift: ANNO DNI MCCCCXXVIII SOLVTO POST OCTAVOS MARTINI - MARIA VOCOR, DEFENSATRIX CONTRA VEXATIONES - ALVA NOS IHS XPS AMEN
( Im Heilsjahre des Herrn 1428, nach der Oktav von Martinus wurde ich Maria genannt, Abwehrerin jeglicher Drangsal. Erlöse uns, Jesus Christus, Amen.)

Diese Glocke wurde 1942 aufgrund der Kriegsverhältnisse beschlagnahmt, ist aber wegen ihrer historischen Bedeutung (Denkmalklasse C) im Austausch nach Großvernich gekommen. Da die Vernicher Glocke nach dem Kriege unversehrt zurückgeführt werden konnte, kam die Marienglocke 1947 nach Flamersheinm zurück (650 kg)

1526
Die Umschrift der größten Gloccke des Geläuts lautet: JHESUS, MARIA, ANNA UNDE SANCTUS STEPHANUS BIN ICH BENANT, ANNO DOMINI MVCXXVI IAN VAN TRIER GOIS MICH <1650kg>

1666
Ein Brand zerstört das Dach der Kirche. Der jetzige Dachstuhl trägt die Jahreszahl 1671.

1751
Auf dem Markt wird die Stephanus-Glocke gegossen: STEPHANVS HEISCHE ICH: ZVM DENST GOTTES RVFFE ICH. DIE TODTEN BETRAVRE ICH. O SVNDER BEKEHRE DICH. SO GIBT DIR GOTT SEIN ÉWIG REICH. DVRCH FEVR VND FLAM I.H. VON COLLEN HABEN MICH ALHIER GEGOSSEN.  ANNO 1751 - BIN.ICH.GEFLOSSEN.CARLL.ENGELBERT.UND:PETER:HEINRICH:FUCHSI-H BEECK PASTOR IN FLAMERSHEIM -
CLAMANDO PIOS CONGREGO < = 1751 > ( Mit meinem Rufe schare ich die Frommen zusammen.) -
FRANCISCVS: L(IBER): B(ARO) DE QVOOT - DOM(INVS) IN FLAMERSHEIM ET TOMBERG ET OBERWINTER LANDSCRON - IOH. WILH GOTTFRIED BACHOVEN - HERMANVS GIELEN SCHULDEIS - ANNA MARIA LOVISA WESSELINA QVADT DE LANDSCRON :
Sie wurde 1942 nach Hamburg requiriert und kam 1947 ohne Schaden zurück. <950kg>

1887
Einen großen Einschnitt in die Geschichte der Kirche bringt das Jahr 1887. Das Chor wird abgerissen und ein Querschiff mit Chor im neuromanischen Stil nach den Plänen von Baumeister Langen aus Köln angebaut. Die Grundsteinlegung erfolgt am 30.5.1887; zum Patronatsfest 1888 (3. August) kann die Kirche bezogen werden. Am 10. Juni 1890 findet die feierliche Konsekration durch Weihbischof Dr. Antonius Fischer statt, dem späteren Kölner Erzbischof und Kardinal.
Diese Erweiterung verändert die Kirche nicht nur äußerlich, auch im Innern wird sie dem Stilempfinden jener Zeit angepaßt. Der glatte Verputz der Wände im alten Teil der Kirche und die Ausmalung lassen nichts mehr von dem Alter und der schlichten Schönheit erkennen. Auch werden die alten Zopfaltäre durch neuromanische ersetzt. Alle Altäre sind konsekriert und dem hl. Stephanus, der hl. Maria und dem hl. Joseph geweiht.
In den Altären ruhen Reliquien der hl. Chrysanthus und Daria, die um 304 in Rom den Märtyrertod fanden und deren Gebeine sicht seit 848 in Bad Münstereifel befinden, sowie des hl. Evergislus, der erste Kölner Bischof mit fränkischem Namen, der 594 starb, der hl. Thebäischen Märtyrer, der hl. Ursula und des hl. Gereons.

1961/1962
Der Turmhelm, der aus dem Jahre 1397 stammen soll, kann nicht mehr repariert werden. Am 8. Mai 1961 erfolgt der Abriß; die Flamersheimer Zimmerei Kessel ersetzt ihn durch einen neuen. Der gleichaltrige Glockenstuhl wird bei dieser Gelegenheit ausgebessert.

1977 - 1981
Die Baumaßnahmen zur Erweiterung der Kirche bringen die größten Veränderungen mit sich. Am 2. Oktober 1977 wird die Kirche nach einem feierlichen Gottesdienst geschlossen. Zunächst werden die neuromanischen Bauteile von 1887 abgerissen. Nach den Plänen, die Architekt Lückerath aus Horrem in Absprache mit dem Generalvikariat in Köln und dem Landeskonservator in Bonn erstellte, wird im rechten Winkel zur alten Kirche ein neues Kirchenschiff angebaut, das nun dominiert. Die Grundsteinlegung erfolgt am 10. September 1978, das Richtfest wird am 23. September 1979 gefeiert. Am Palmsonntag 1981 konsekriert Weihbischof Dr. Josef Plöger die "neue Kirche" und den renovierten

1991
Mit verschiedenen Gottesdiensten im Rahmen einer Festoktav, sowie einer Ausstellung von historischen Paramenten und sakralen Gegenständen aus dem Besitz der Pfarre wird das 10-jährige Kirchweihfest gefeiert.

1994
Ein lang ersehnter Wunsch der Gemeinde geht in Erfüllung: das Pfarrheim ist fertig und wird seiner Bestimmung übergeben.

1998
Im Besitz der Kirche sind noch vier Kreuzwegstationen (die1. und 2. sowie die 13. und 14. Station); es handelt sich um Sandsteinwerke aus der Zeit  um 1900. Der Künstler Paul Marx aus Leverkusen ergänzt den Kreuzweg durch Holzarbeiten.


Quellenverzeichnis:

Becker, Johannes, Geschichte der Pfarreien des Dekanates Münstereifel, 1900
Clemen/Poaczek, Die Kunstdenkmäler des Kreises Rheinbach, 1898
Krudewig, Johannes, Geschichte der Bürgermeisterei Cuchenheim, 1921
Schaeben Jakob, Glocken, Geläute Türme im ehemaligen Landkreis Euskirchen, 1977
Pfarrarchiv Flamersheim
Quelle: aus den Unterlagen von Heinz Lanzerath, Flamersheim

Die Meditativen Bilder

Beim Erweiterungsbau der Kirche – 1977–1981 - wurde das Hauptschiff der alten – romanischen – Kirche zum Querschiffarm, im rechten Querschiffarm installierte man die Orgel; das Altarensemble, von Bildhauer Heinz Gernot aus Köln (Schlesien 1921 – 2009 Köln) geschaffen, brachte man in die Vierung. Das neue Hauptschiff hatte nun architektonisch gestaltete, aber doch „kahle“ Seitenwände. In der Suche nach Gestaltungsmöglichkeiten entschied man sich in Anlehnung an historische Vorbilder für bildliche Darstellungen biblisch-theologischer Themen in Wandteppichen, später jedoch hat man wegen geringerem Aufwand und weniger Pflege die Tafelmalerei vorgezogen, wobei man eine gegenständlich symbolische Malerei favorisierte.
Die Themen sind eigentlich durch aktuelle Zeitfragen angeregt, aber in der Vergegenwärtigung biblischer Gestalten, Handlungen und Ereignissen zeigt sich, dass diese Themen Urfragen des Menschen aufgreifen:


1. GOTT RETTET
2. GOTT ZEIGT SICH IM DUNKELN
3. GOTT IST MIT UNS
4. GOTT SAMMELT SEIN VOLK
5. GOTT SPRICHT IM VERSTUMMEN
6. GOTT GIBT LEBEN

1988 sind diese sechs thematisch gebundenen Bilder von dem Glasmaler Paul Weigmann (Leverkusen 1923 - 2009 Küppersteg) geschaffen worden, nachdem er bereits 1981 die Fenster für den Erweiterungsbau entworfen hatte (Ausführung Glasmaler-Werkstatt Helga Feuser-Stasdas, Rheinbach-Wormersdorf). Jede Bildtafel „umspielt“ ein Thema mit verschiedenen Gegebenheiten, d.h. man geht das Thema von verschiedenen Richtungen aus an und erreicht dadurch eine stärkere Durchdringung und Verdeutlichung. Somit wird das Thema für den Betrachter zu einem Gedankengeflecht und zu meditativer Reflexion auf das eigene Dasein.


Um besser die Vorstellung von Himmel und Erde im Hinblick auf „oben“ und „unten“ zu versinnbildlichen, hat Paul Weigmann eine quadratische Raute über einem Quadrat als Bildformat gewählt. Das Quadrat ist der "ruhende (Bild-)Träger“, der der „inhaltsbewegten“ Raute Halt gibt. Leider sind die Ecken der Rauten mit ausladenden „Flammen“ fortgeführt, so dass die Bilder von Paul Weigmann „übertönt“ werden und mehr zur Dekoration werden.

 

Die "Vier" - vier Seiten, vier Ecken - der quadratischen Raute wird zur "Drei" und "Eins", denn drei Begebenheiten werden eins in Gott.
Das geschieht in zweimal drei Bildern bzw. Stationen. Man könnte auch an sechs Tage erinnert sein, wobei man „am siebten Tag ruhen soll“. Somit sind die Zahlen „Eins, Drei, Vier, Sieben“ mit diesen Bildern ganz eng verbunden und geben symbolische Bedeutung.
Geht man auf die einzelnen Darstellungen ein und liest die entsprechenden Bibelstellen nach, dann spürt man die Vielfältigkeit bzw. das breite Spektrum des Themas, das uns in Beispielen nachhaltig vorgeführt ist und uns zur eigenen Identitätsfindung verhelfen soll.

Bildinhalte

1. GOTT RETTET
oben: Gottes schützende Hand
links: Mose im Binsenkörbchen
rechts: Israel hat das Meer durchgangen
und zieht mit der Feuersäule ins
gelobte Land
unten: Jesus gebietet dem Sturm auf dem Meer

2. GOTT ZEIGT SICH IM DUNKELN
oben: Jakob ringt mit dem Engel
links: Petrus mit dem Hahn
rechts: Synagoge mit der Torarolle
unten: moderne Ideologien

3. GOTT IST MIT UNS
oben: Christus und die Emmausjünger
links: Der Herr erscheint Abraham
bei den Eichen von Mamre
rechts: Sara mit Isaak
unten: Ökumene – Vertreter der Religionen
reichen Ähren und Weintrauben

 

4. GOTT SAMMELT SEIN VOLK
oben: David als Sänger
links: Die Trompeten des Jüngsten Gerichtes
rechts: Hosianna – Jesus zieht in Jerusalem ein
unten: Jerusalem, die neue Stadt, der alle Völker
berufen sind

5. GOTT SPRICHT IM VERSTUMMEN
oben: Christus am Ölberg
links: Die drei Jünglinge im Feuerofen
rechts: Erzmärtyrer Stephanus
unten: Maximilian Kolbe

6. GOTT GIBT LEBEN
oben: Himmelfahrt Christi
links: Erweckung des Lazarus
rechts: Zerstörung durch die Menschheit – Flucht
unten: Die Rettung des Propheten Jona

 

Text/ Fotos: Dr.Conrad-Peter Joist

Literatur:
Meditative Bilder, Pfarrbrief 1/1988